Kathi’s Blog

01Hallo ihr Lieben da draußen, ich habe vor hier einen Blog über meine Geschichte für die „Kinderhilfe“ zu starten und wollte mich dafür mal etwas genauer vorstellen. 🙂

Mein Name ist Kathi, eigentlich Katharina, aber so nennt mich kaum jemand. (Nur meine Mutter, wenn sie echt sauer ist 😀 ) Ich bin mittlerweile 19 Jahre alt und bin seit nun fast 7 Jahren mit dem Thema „Krebs“ konfrontiert.

Ich bin selbst 2011 an Knochenkrebs erkrankt und habe bereits zwei Rezidive hinter mir. Den letzten Durchgang habe ich grade erst abgeschlossen.

Dadurch hab ich natürlich so einiges erlebt und durchlebt und würde diese Erfahrungen und Gefühle gerne mit allen teilen, denen es helfen könnte. Ich freue mich, wenn dieser Blog nicht nur von Betroffenen gelesen wird, sondern auch von Interessierten und Menschen, die vielleicht nur entfernt damit zu tun haben.

Ich habe über diese ganze Zeit – zwangsweise – eine Menge gelernt, natürlich nicht nur Medizinisches, sondern auch sehr viel über das Leben und die kleinen Momente, die oft viel, viel wichtiger sind als alles andere.

Ich hoffe, dass ich, selbst wenn es nicht viele sind, ein paar Menschen mit dem, was ich schreibe, erreiche und ihnen ein bisschen Hoffnung und ein paar Tipps und Tricks, ein paar Methoden geben kann, wie man besser durch das Leben als Krebspatient oder Angehöriger kommt und trotz dem ganzen Mist immer noch lachen kann. Ich werde einfach von Anfang an meine Geschichte erzählen, meine Erfahrungen und alles was dazu gehört, sei es gut oder auch schlecht.

Ich kann jetzt schon sagen, dass ich trotzdem für vieles sehr dankbar war, während der ganzen Zeit, vor allem dafür, dass sich meine Sichtweise auf viele Dinge sehr geändert hat und ich die kleinsten Dinge des Alltags wertschätzen kann.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen!

Eure Kathi


Deutsche Welle TV hat am 22.02.2018 einen Bericht über unsere Bloggerin Katharina mit dem Titel „Die gestohlene Jugend“ gemacht. Schaut bitte und HIER auf deutsch und auf englisch HIER


Spendenaufruf – BITTE HELFT unserer Kathi

Kathi schreibt auf unserer Website seit Anfang 2018 einen Blog über ihre Krebserkrankung. 2011 wurde erstmalig bei ihr Knochenkrebs diagnostiziert. Es folgten zwei Rezidive. Die Behandlung des zweiten Rezidivs wurde Anfang 2018 abgeschlossen. Jetzt die neue schockierende Nachricht – es wurden erneut Metastasen in ihrer Lunge gefunden. Sie wird operiert werden und kann danach aber keine Chemo oder Bestrahlung mehr erhalten, sie gilt als nahezu austherapiert.
Die Familie hat nun Kontakt zu einem Spezialisten für Sarkomforschung, der auch der Chef der pädiatrischen Onkologie in Houston/Texas ist, aufgenommen. Im Oktober will Kathi in die USA fliegen, um sich dort untersuchen zu lassen.
Das kostet natürlich Geld! Deswegen hier der Aufruf:

Helft Kathi gesund zu werden!

BITTE HELFT unserer KATHI, die Flugkosten von Berlin nach Houston/Texas zu finazieren.
Seit 2011 unterliegt die Familie enormen Belastungen. Dann endlich die große Hoffnung in diesem Jahr zurück in die Normalität zu können und das Abi zu machen. Nun sind diese Wünsche erst einmal alle auf Eis gelegt und man hofft auf den Spezialisten in den USA.

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.


Wau 15.000 € sind für Kathis Kampf gegen den Krebs bereits finanziert und Kathi sagt Danke an alle Unterstützer per Videobotschaft. Unsere Bloggerin möchte kurz bevor sie in die USA fliegt, sich bei allen Unterstützern per Videobotschaft bedanken.


Teil 1 – 2011

02 2011Die Zeit als Krebspatientin startete für mich im Juni 2011. Es war, um es genau zu sagen, der 03.06.2011, an dem ich die endgültige Diagnose bekam. Schwarz auf weiß stand es auf dem Pathologie-Befund.

Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr genau an den Tag erinnern. Ich weiß, dass es schrecklich war, wir haben alle viel geweint, denn plötzlich war ein Familienteil krebskrank. KREBS – was war das überhaupt für ein Wort und was bedeutete das, was steckt alles dahinter? Das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, das wussten wir alle nicht, auch nicht meine Mutter oder mein Vater, geschweige denn meine kleine Schwester.

Denn bis man selber an so einer schweren, lebensbedrohlichen Krankheit leidet, geht man niemals davon aus, dass man selbst einmal davon betroffen sein könnte.

Man beschäftigt sich also auch nicht freiwillig damit.

Dieses Phänomen ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden. Auch wenn ich früher von Menschen erzählt bekommen habe, dass sie zum Beispiel Familienangehörige haben, einen Opa oder eine Oma, die solch eine Krankheit haben, dann hat es einem schrecklich Leid getan und man fand es furchtbar, man wusste ja auch nur, dass diese Krankheit lebensbedrohlich ist, aber komischerweise waren diese Leute eine eigene Gruppe und zu so einer Gruppe hat man sich automatisch nicht dazu gezählt, weil man völlig ungerechtfertigt dieses vermeintliche Wissen hatte, dass man selber nicht zu dieser Gruppe gehört und deshalb auch nie dazu gehören wird.

Aber dieses Denken ist wahrscheinlich normal, sonst hätten wir alle viel zu viel Angst davor.

Ich war damals 12 Jahre alt, ich wusste also wirklich überhaupt nichts über diese Erkrankung, erst recht wusste ich nicht, was ein Ewing-Sarkom ist. So heißt nämlich mein Tumor, es ist ein Knochentumor, der bei mir in der Beckenschaufel lokalisiert war, wohl eine typische Stelle für diese Art von Krebs.

Ich hatte bereits über ein Jahr lang Schmerzen an dieser Stelle. Viele werden sich fragen, warum ich bzw. meine Eltern so lange gewartet haben. Das haben wir nicht. Wir sind bereits früh zu einem Arzt gegangen, denn meine Schmerzen waren sehr merkwürdig: Circa eine Woche lang hatte ich starke Schmerzen im Bereich des linken Beckens, es fühlte sich an, als wäre ein Nerv eingeklemmt. Nach dieser Woche war dieser Schmerz plötzlich komplett verschwunden und ich hatte drei Wochen meine Ruhe, bis alles wieder von vorne losging. Während dieser „Schmerzphasen“ hatte ich auch jedes Mal leicht erhöhte Temperatur. Es war also alles etwas untypisch für einen eingeklemmten Nerven. Natürlich sind wir nicht gleich beim ersten Auftreten zum Arzt gelaufen, sondern haben erstmal abgewartet, ob es bei dem einen Mal bleibt oder wiederkommt. Man denkt ja auch im Leben nicht daran, dass es gleich so eine Krankheit ist. Sollte man vielleicht in Zukunft, dann lässt man sich wenigstens nicht so lange hinhalten, das wurde ich nämlich, weil der Arzt, zu dem ich erst ging, mich nicht wirklich ernst nahm. Er zog es also auch gar nicht erst in Betracht, mich richtig zu untersuchen und sagte mir, ich würde simulieren und solle mich nicht so anstellen. Es seien wohl maximal Wachstumsschmerzen, knallte er mir und meiner Mutter ins Gesicht und drückte mir Ibuprofen in die Hand.

Natürlich wurden die Schmerzen dadurch auch nicht besser, im Gegenteil, bald habe ich mich während meiner Schmerzphasen kaum noch bewegt, lag nur im Bett und bin auch nicht mehr zur Schule gegangen, weil es so weh tat und durch nichts gelindert werden konnte.

Irgendwann kam ich über meinen Kinderarzt, an den ich mich dann gewendet habe, in die Charité. Er überwies mich an die Kinder-Rheumatologie, weil sein Verdacht in diese Richtung ging. Erst der Arzt dort veranlasste das erste bildgebende Verfahren, ein MRT. Anschließend folgten Biopsien. In Operationen wurden Proben von dem entnommen, was die Ärzte auf den Bildern des MRTs in meinem Becken sahen, was uns ein paar Tage später, schlussendlich am 3. Juni 2011, das tolle Ergebnis brachte: Ein Ewing-Sarkom.


Teil 2 – Die Anfänge auf der Krebsstation

03Schon kurz nachdem ich die Diagnose bekam, ging auch die erste Chemotherapie los. Ich hatte nicht wirklich viel Zeit, mich darauf einzustellen, was kommt, was im Endeffekt auch besser war, denn so konnte ich mir im Vorhinein gar nicht so viele Gedanken machen, ich wusste ja eh nicht, was auf mich zukam.

Ich weiß trotzdem noch, dass der Moment, in dem wir im Fahrstuhl standen und nach oben in den 4. Stock zur Kinderonkologie fuhren, beängstigend war. Natürlich fragte ich mich, was jetzt alles kommen und passieren würde. Man hatte nur das Wort „Krebs“ im Kopf und alles was ich wusste war, dass es schrecklich werden würde, so hatte man es auf jeden Fall bisher mitbekommen, dass Krebs eine schlimme Krankheit war, bei der man ziemlich leidet. Das war alles.

Bevor alles losging, ist meine Mutter mit mir noch zu einer Freundin von uns gefahren, die Friseurin ist. Ich hatte immer sehr schöne, lange und dicke Haare, aber ich hatte mich dazu entschlossen sie schon einmal bis zum Kinn abzuschneiden, damit es nachher nicht mehr ganz so schmerzhaft wird, wenn die Haare alle ausfallen. Ich war komischerweise gar nicht mal so traurig, als die Haare ab waren. Ich glaube ich war zu der Zeit in einer Art Trance, ich habe alles gar nicht so genau mitbekommen, aber das war ganz gut, denke ich. 🙂

Es war ein Sonntag, an dem ich auf die Station aufgenommen wurde, der 05. Juni 2011.

Als ich auf die Station kam, bemerkte ich als erstes den seltsamen Geruch des Krankenhauses, er machte mir Angst, ich fühlte mich nicht wohl und war aufgeregt. Zum Glück kümmerte sich ziemlich schnell eine sehr liebe Schwester um uns, wodurch ich mich wenigstens nicht ganz so verloren gefühlt habe. Meine Mutter war auch dabei und ich wusste, wie aufgeregt und traurig sie war, aber sie hat versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Ich war sehr froh, dass sie da war. Ich kam in das Zimmer ganz am Anfang der Station, in die Nummer 14. Es war ein Doppelzimmer, in dem schon ein kleiner Junge war. Ich setzte mich ohne jegliche Vorahnung auf mein Bett und wartete, bis alles losging.

Die Therapie startete nicht sofort, denn ich brauchte noch einen speziellen Zugang, über den in Zukunft immer die Chemo laufen konnte. Hätte man das über normale Zugänge an der Hand oder am Arm gemacht, wären dort die Gefäße und das umliegende Gewebe viel zu schnell von dem Giftzeug kaputt gegangen.

Deswegen habe ich einen Zentralen Venenkatheter am Hals bekommen, der sogenannte Broviac-Katheter. Das Ding hat mich von Anfang an genervt, weil diese Schläuche immer aus der Brust rausgeschaut haben und man sich damit nicht richtig duschen konnte. Aber was muss, das muss. 😀 Also habe ich versucht, mich so schnell wie möglich damit abzufinden und habe den drei Schenkeln, in die sich der Schlauch am Ende aufteilte, um dort verschiedene Infusionen gleichzeitig anschließen zu können, verschiedene Namen gegeben. Dadurch konnte ich besser akzeptieren, dass sie nun zu mir gehörten und aus einem wichtigen Grund immer an mir rumbaumeln mussten. Ich weiß nicht warum, aber ich habe sie Hans, Franz und Berti genannt. Ich glaube meine beste Freundin kam damals auf die Idee, fragt mich nicht wieso! 😀

Bis zum Start der 1. Chemo hat es dann noch etwas gedauert. Nach der OP wurde erstmal noch eine Weile gespült, ich habe also einfach nur Infusion bekommen, um die Nieren zu spülen, da diese ja in Zukunft genug belastet wurden. Uns fiel dann aber auf, dass plötzlich mein Hals ganz dick wurde. Mein Katheter war nämlich kaputt und die ganze Infusion ging somit daneben ins umliegende Gewebe. Zum Glück lief zu der Zeit noch keine Chemo, die hätte mir dort schön alles kaputt gemacht.

Also habe ich gleich nochmal einen neuen Katheter bekommen, der war dann auch funktionsfähig, sodass bald mit der Chemo gestartet werden konnte.

Es war dann also der 11. Juni 2011, an dem ich dort oben mit meiner gesamten Therapie startete. Meine Mutter und ich haben vorher natürlich mit dem Oberarzt gesprochen, er hat uns über alle möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt und uns gesagt, wie die nächsten Monate ungefähr aussehen werden und auf welche Dinge wir achten müssen. Es war eine Menge, aber mit der Zeit wurde das alles Alltag und selbstverständlich.

Bevor die Chemo dann endgültig gestartet wurde, wurde ich noch in ein anderes Zimmer geschoben, die Nummer 11, ein Einzelzimmer in dem ich etwas mehr Ruhe hatte. Darüber war ich sehr froh. Ich wusste ja auch nicht, wie ich mir in den nächsten Tagen die Seele aus dem Leib kotzen würde, deswegen wollte ich auch, dass das so wenig Menschen wie möglich mitbekommen. 😀

Als der erste Beutel angehängt wurde, war mir sehr mulmig zumute, ich war gespannt, wie die Therapie wohl wirken würde, wie ich die Wirkung überhaupt wahrnehme und ob es auch noch andere Nebenwirkungen gibt, als bloß die Übelkeit.

Ich ging aber, soweit das ging, erstmal positiv an die Sache ran und versuchte, meinen Kopf freizubekommen, damit es mir so lange wie möglich so gut wie möglich ging. Das hat aber nicht so ganz geholfen… 😀

Es war fast unheimlich zu beobachten, wie es mir von Minute zu Minute schlechter ging, sobald der Schlauch geöffnet und die Chemo, Tropfen für Tropfen, in mich hineinlief.

Ich nenne es bis heute das „Chemo-Gefühl“, ein ganz seltsames, unbeschreibliches und sehr unangenehmes Gefühl, das kam, wenn die Chemo eine Weile lief. Es war eine Mischung aus Übelkeit, Schwäche, Kopfschmerzen und Müdigkeit, einfach ein ekliges Gefühl, dass auch durch kein Medikament wirklich gelindert werden konnte. Die Übelkeit war aber das Hauptproblem bei mir, sie war so stark, dass ich unter der Therapie praktisch gar nichts gegessen habe.

Drei Tage lang bekam ich die Chemotherapeutika, danach war noch eine zweitägige Spülung dran, bei der ich dauerhaft Infusion bekam. Nach den fünf Tagen war ein Chemo-„Block“ geschafft. Insgesamt waren 14 Blöcke bei mir geplant, 6 vor der großen OP und acht noch einmal nach der Operation, bei der mein Tumor entfernt werden sollte.

Ich war froh, als der erste Block geschafft war und freute mich unglaublich auf zuhause. Dort konnte ich wenigstens wieder etwas besser schlafen, ohne das ganze Gepiepse der Infusomaten und die ganzen Schwestern und Ärzte um einen herum. Es ist wahnsinnig viel los im Krankenhaus und das ist zusätzlich zu der Therapie ganz schön anstrengend. Auch meine Mutter war nach den Tagen natürlich total platt, sie hat nämlich die ganze Zeit mit mir zusammen im Krankenhaus verbracht und auch dort geschlafen. Und wie man sich denken kann, sind die sogenannten „Elternliegen“ dort auch nicht der pure Luxus…  😀

Ich bekam noch alle nötigen Medikamente gegen Übelkeit usw. mit nach Hause und dann konnte ich endlich gehen.

Wir waren wirklich sehr froh wieder zuhause zu sein, meine Schwester hatten wir in der Zeit auch nicht viel gesehen.

Nun wusste ich also in etwa, wie das Krankenhausleben aussieht und genoss die Zeit, die ich nun erstmal nicht dort verbringen musste. Lange war es ja eh nicht…


Teil 3 – Nach der ersten Chemo

Chemo-KalenderIch war zwar nach dem ersten Zyklus meiner Therapie unglaublich schwach und erschöpft, aber ich war auch unglaublich froh, endlich wieder nach Hause zu kommen. Am allermeisten freute ich mich auf mein Bett und meine gewohnte Umgebung und natürlich auch sehr auf meine kleine Schwester. Sie war zu dem Zeitpunkt auch erst 9 Jahre alt, also noch viel weniger dazu in der Lage, alles zu begreifen, als ich. Das konnten ja nicht einmal meine Eltern, also wie sollte sie es tun und von dem einen auf den anderen Moment war auch ihr Leben ganz anders, ohne Vorwarnung und das tat mir schrecklich leid. Und trotzdem musste es sein, obwohl ich es auf keinen Fall so wollte.

Erst, wenn ich diese Zeilen hier schreibe und alles noch einmal rekapituliere, wird mir wieder bewusst, wir sehr so eine Krankheit von jetzt auf gleich alles ändert und zwar nicht nur für mich, sondern auch für mein ganzes Umfeld. Und dann bekommt man manchmal Schuldgefühle, auch wenn man ganz genau weiß, dass man selbst auch nicht im Ansatz etwas dafür kann. Aber für alle in meinem Umfeld ändert sich etwas, meine Schwester hatte plötzlich ihre Mama nicht mehr, die ihr genauso zustand, wie mir, alle haben Angst um mich und das wollte ich nie. Ich wollte nicht, dass andere Menschen meinetwegen leiden, aber ich musste es akzeptieren. Umso glücklicher war ich zu der Zeit, dass mich alle, nicht nur meine Familie, sondern auch alle meine Freunde und meine ganze Klasse, sehr unterstützen. Meine beste Freundin ging auch mit mir in eine Klasse. Wir kennen uns schon seit der Grundschule und waren schon immer wie Pech & Schwefel. Ich weiß noch, dass sie mir damals, zusammen mit ihrer Mutter, einen „Chemokalender“ gebastelt hat. Dieser Kalender beinhaltete 12 Päckchen mit kleinen Geschenken und nach jedem Chemo-Block durfte ich als Belohnung eins öffnen. Das sollte ein kleiner Ansporn sein, jeden Block durchzuhalten und das war es auch, ein riesen Ansporn, denn ich konnte es immer kaum erwarten, die kleinen Päckchen zu öffnen, dafür war ich einfach viel zu neugierig! 😀

Noch heute bin ich sehr dankbar für dieses tolle Geschenk und werde das niemals vergessen.

Ich versuchte mich zuhause etwas zu erholen in der Zwischenzeit, aber ich musste schon schnell nach meiner Entlassung wieder zur Blutkontrolle ins Krankenhaus, juhu… Dort musste ich alle zwei bis drei Tage hin, weil nach einiger Zeit die Blutwerte sehr schlecht wurden und das ziemlich gefährlich werden konnte. Wenn ich zum Beispiel zu wenig Thrombozyten hatte, also Blutplättchen, dann konnte es sein, dass ich schneller blute, wenn ich mich verletze und diese Blutung vom Körper nicht mehr alleine gestillt werden kann. Ab einem gewissen Wert brauchte ich eine Transfusion. Und wenn die Abwehrzellen zu schlecht wurden, durfte ich nicht mehr unter Menschen gehen. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Veranstaltungen mit vielen Menschen um einen herum, sollte ich generell meiden, einfach um das Risiko einer Infektion zu minimieren, denn sonst könnte man eine Blutvergiftung riskieren und das sollte natürlich auf gar keinen Fall passieren. Bestimmte Lebensmittel, die z.B. Schimmelsporen an sich haben können, durfte ich auch nicht essen. Normalen Menschen macht das nichts aus, aber bei immunschwachen Patienten, wie mir, hätte sich so ein Schimmelpilz ausbreiten können. Und dabei hatte ich oft so Lust auf Erdnüsse 😀 – durfte ich aber leider nicht. 🙁

Obwohl ich und vor allem auch meine Eltern das alles strengstens so verfolgt haben, habe ich trotzdem, gleich ein paar Tage nach dem ersten Block, Fieber bekommen. Das kann wohl passieren, meinten die Ärzte, denn auch körpereigene Keime können dann so etwas auslösen.

Ich zitterte (wortwörtlich), als meine Temperatur anstieg und ich immer wieder messen musste. Ich wollte auf gar keinen Fall schon wieder auf die Station, ich wollte einfach nur meine freie Zeit zuhause genießen und mich erholen. Ab 38,5°C musste man aber unbedingt kommen und bekam eine Antibiotikatherapie, damit ich keine Blutvergiftung bekam. Ich betete, aber die magische Zahl war schnell erreicht, sodass ich mich mit meiner Mutter auf den Weg machen musste. Was das betrifft war es auch egal, ob es nachts um eins war oder draußen die Welt unterging, ich musste dort antanzen.

Also packten wir schnell die Koffer und es ging wieder in mein geliebtes zweites zuhause….


Teil 4 – Wieder ins Krankenhaus

05Ich weinte, als wir wieder da oben standen auf der Station 30. Ich wusste nichtmal genau, was in dem Moment mein Problem war. Ich hatte einfach keine Lust und es war anstrengend, plötzlich so ein spontanes Leben zu haben, in dem man nichts mehr planen konnte und man wirklich nur von Minute zu Minute leben konnte, weil man nicht wusste, was als nächstes wieder kommt. Und dabei hatte ich ja sogar noch meine Mutter, die wirklich immer an meiner Seite war und alles organisierte und für mich übernommen hat.

Ich beruhigte mich aber schnell wieder. Ich hatte schon immer die Gabe, dass ich mich gut und schnell ablenken konnte und mir die positiven Dinge vor Augen halten konnte, auch wenn es in dem Moment nicht so viele gab und es somit eine kleine Herausforderung darstellte. 😀

Aber es hat ja sowieso nichts gebracht, lange darüber nachzudenken und sich in Selbstmitleid zu ertränken, man musste nun eh das machen, was die Ärzte für einen vorgesehen hatten. Und da ich wusste, dass das alles nur gemacht wird, um mir zu helfen, konnte ich leider auch auf niemanden böse sein, außer auf den Krebs, der mir den ganzen Mist eingebrockt hatte.

Das Fieber war halt anstrengend, die ganze Zeit glühte ich so und war in einem Dämmerzustand, aber es war überraschend, wie schnell es mir besser ging, sobald das Antibiotikum in meine Venen lief. Das Fieber sank schnell und am nächsten Tag sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Ich musste trotzdem sehr oft und regelmäßig meine Temperatur messen und weiterhin bekam ich alle paar Stunden mein Antibiotikum. Ich musste eine bestimmte Zeit fieberfrei sein, bevor ich wieder nach Hause entlassen werden durfte. Die Zeit bis dahin zog sich ewig, vor allem, weil es mir ja relativ schnell wieder verhältnismäßig gut ging durch die Medikamente und ich mich unfassbar langweilte! 😀 Zum Glück gibt es auf der Station eine tolle Erzieherin, die immer viele Angebote zum Basteln usw. hatte, um sich die Zeit zu vertreiben. Das habe ich auch so oft wie möglich genutzt, vorausgesetzt mir ging es soweit okay.

Zwei mal die Woche gab es auch ein Kochprojekt, da konnten wir Kinder raus auf den Flur kommen und alle zusammen die Zutaten schnippeln, „Die Köche“, wie alle sie nur nannten, haben dann alles zu einem leckeren Essen verarbeitet.  Es war eigentlich ein abstraktes Bild, wir Kinder saßen alle mit unseren Infusionsständern dort auf dem Flur an den ganzen Tischen, überall piepste es und lauter Ärzte und Schwestern liefen um uns herum und trotzdem saßen wir dort voller Freude und schnippelten in Ruhe unser Gemüse. 😀  Das war ein tolles Projekt, ich konnte zwar oft nicht teilnehmen, weil es mir häufig nicht gut genug ging, aber ich habe mich immer sehr bemüht, weil es eine tolle Abwechslung und mal etwas anderes war. Außerdem konnte man so mal ein bisschen Kontakt zu anderen Kindern und deren Eltern aufbauen, denn sonst war ja jeder nur in seinem Zimmer und man bekam von den anderen nicht viel mit.

Das war nicht nur gut für mich, sondern auch für meine Mutter, denn sie hatte dann auch jemanden zum quatschen, der sie versteht.

Das war immer das Schöne da oben, alle haben sich einfach verstanden, ohne viele Worte. Einfache Blicke haben oft ausgereicht, um sich gegenseitig etwas zu verstehen zu geben und jeder wusste genau, worum es ging, wenn man von bestimmten Dingen, von Untersuchungen, Nebenwirkungen oder Ähnlichem erzählt hat. Und das Schöne war: Jeder hat sich so für die anderen gefreut, wenn es Fortschritte oder kleine Erfolge gab, wenn eine Untersuchung positive Ergebnisse gebracht hat oder eine Operation gut verlaufen ist. Wir konnten ohne Scham oder große Erklärungen darüber reden, es war Alltag und normal und doch für alle etwas ganz besonderes, wenn mal etwas Gutes berichtet werden konnte.

Die Station und alle, die dazu gehörten, sind schnell zu meiner zweiten Familie geworden. Das war auch nicht verwunderlich, denke ich, dort war ich ja inzwischen mehr, als in meinem richtigen Zuhause. Aber es passte auch einfach alles sehr gut, denn zu der Zeit waren viele nette Kinder in meinem Alter dort, unter Anderem ein liebes Mädchen, Lara war ihr Name. Mit ihrer Familie freundeten wir uns sehr schnell an, meine Mutter unterhielt sich auch sehr viel mit ihren Eltern.

Ich habe besonders viele lustige Erinnerungen an Laras Vater, „Frankyboy“ haben wir ihn immer genannt. Er hatte immer einen Spruch auf den Lippen, brachte meiner Mutter oft Kaffe und mir etwas von draußen zu essen mit, denn das Essen aus dem Krankenhaus konnte ich einfach nicht runterschlucken, das war neben der Übelkeit von der Therapie ganz sicher auch die Psyche, es ging einfach nicht. Wir wurden uns gegenseitig treue Begleiter und hatten trotz der ganzen unschönen Dinge teilweise sehr viel Spaß zusammen… 😀

An dieser Stelle möchte ich euch danken, für eure Unterstützung und die vielen Dinge, seien sie positiv oder auch negativ, die wir zusammen erlebt und durchgemacht haben und den Humor, den auch ihr bei der ganzen Sachen nie verloren habt.

Ich denke, es ist sehr wichtig solche Menschen in diesen schwierigen Phasen des Lebens zu haben, denn so kann man alles für winzig kleine Momente vergessen und vor allem sehen, dass man in nahezu jeder Lebenslage und wenn sie auch noch so schlecht und aussichtslos erscheint, IMMER irgendwie Spaß haben kann und zwar indem man einfach das Beste daraus macht und dem Krebs zeigt: Ich bin stärker als du! 🙂

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Teil 5 – Zweiter Chemo-Block

IMG_0208(1)Ich war dadurch, dass ich durch das Fieber zwischendurch auch ins Krankenhaus musste, nicht lange zuhause, ehe der nächste Therapie-Block losging und ich auch dafür wieder stationär aufgenommen werden musste.

Ich freute mich natürlich überhaupt nicht auf die Therapie, da ich wusste, wie es mir beim ersten Mal ging und dass das jetzt nicht grade besser laufen würde, dafür war ich mit meinen 12 Jahren leider alt genug.

Deswegen hatte ich mal wieder ein mulmiges Gefühl, als wir ins Krankenhaus fuhren, meine Mutter war natürlich wieder mit dabei. Ich war zwar traurig, dass alles wieder von vorne losgehen würde, sobald uns das Taxi abgesetzt hatte, aber ich wollte auch kämpfen. Es war ein ekliges Gefühl, wenn man wusste, man hat da im Becken irgend so ein bösartiges Ding sitzen, das sich jeden Tag wieder neu teilt und neue Zellen in meine Blutbahn schießt.

Deswegen war ich auf gewisse Weise auch froh, dass mein Tumor jetzt wieder etwas auf den Deckel bekam und ich – hoffentlich – nun Stück für Stück gesund werden würde, auch wenn sich das nicht im Ansatz so anfühlte.

Mein Tumor sollte leiden, deswegen musste ich auch leiden, das war mir bewusst, denn so eine Chemotherapie geht ja nun einmal auf alle sich schnell teilenden Zellen. Was muss, das muss! 😀

Ich hielt irgendwie diese fünf Tage durch, ich weiß nicht wie, aber irgendwie ging es. Sie waren zwar wieder von starker Übelkeit und extremen Unwohlsein gezeichnet, aber sobald die Chemo einmal lief, gab´s auch kein zurück mehr, dann hieß es: Durchhalten. Das tat ich, zusammen mit meiner Mutter, die mich natürlich die ganze Zeit nicht aus den Augen ließ und seelisch wahrscheinlich 10 mal so viel gelitten hat wie ich. Ich bin ihr bis heute sehr dankbar, dass sie das alles so mit mir gemeistert hat, das hat mir eine Menge Kraft gegeben. Ich weiß, dass sie oft diese Kraft eigentlich nicht mal für sich selbst hatte, denn ich denke es ist noch viel schlimmer einem geliebten Menschen dabei zusehen zu müssen, wie er leidet, als wenn man selbst der Betroffene ist. Man kann im Endeffekt nichts tun, nichts wirklich zur Heilung beitragen, als dem Kranken alles Mögliche an Unterstützung zu bieten. Das zerrt extrem an den Nerven, aber trotzdem war sie immer da und das hat mir eine Menge geholfen.

Ich hing auch dieses Mal wieder nur über der Kotzschale, an Essen war überhaupt nicht zu denken. Was die ganze Übelkeit noch verstärkte war, dass ich plötzlich alle Gerüche viel intensiver wahrnahm. Ich dachte erst ich bilde mir das nur ein oder ich stelle mich an, als wir dann aber einen Arzt fragten, was das sein könnte, meinte er, dass das durchaus als Nebenwirkung der Chemotherapie bekannt sei. Toll, dachte ich. Das erschwerte mir das Durchhalten noch mehr. Selbst Essensgerüche, die vom Flur aus zu riechen waren, verstärkten extrem meine Übelkeit. So auch die Bettwäsche oder das Blasenschutzmittel, dass in meiner Infusion war. Ich empfand es alles als extrem ekelhaft riechend. Auch Berührungen waren für mich in diesen Tagen teilweise unerträglich. Sogar zarte Berührungen, z.B. ein Streicheln war für mich unglaublich unangenehm. Manchmal dachte meine Mutter nicht daran und streichelte meinen Arm, dann wurde ich manchmal ganz schön unfreundlich, es war einfach super unangenehm in dem Moment. (Sorry Mama! 😀 )

Nach den fünf Tagen ging es aber erstmal wieder nach Hause, zwar voll ausgestattet mit Medikamenten gegen Übelkeit und einer Menge Kotztüten, aber immerhin konnte ich nach Hause!!! 😀


Teil 6 – Die PEG Sonde

ernaehrungspumpe-flocare-infinity- IMG_6729Es war jedes Mal wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich nach Hause entlassen wurde. Ich hatte zwar im Hinterkopf, dass ich nie genau wusste, wie lange ich zuhause bleiben durfte, ehe wieder etwas dazwischen kommt, aber ich hatte schon immer die für mich sehr wichtige Gabe, den Moment zu genießen und über das, was folgen könnte, egal ob gut oder schlecht, nicht nachzudenken und mir keine Sorgen, aber auch keine Hoffnungen zu machen-bringt ja eh nichts! 😀

Alles was beunruhigte war, dass ich mittlerweile wirklich kaum noch etwas aß, bzw. die Zeit, in der mir nicht übel war, viel zu kurz war, um die Kilos wieder raufzuholen, die ich sehr schnell verlor, wenn ich zuvor die ganze Zeit nichts aß.

Ich quälte mich sehr damit, vor allem weil man von allen Seiten gesagt bekommen hat: „Iss doch mal was, versuch es doch!“ Haha, wenn das so einfach wäre. Ich hab es wirklich versucht, aber wenn man irgendwann auch diese Angst einmal im Kopf hat, dass einem immer übel wird, sobald man Essen nur riecht, dann isst man immer weniger gerne.

Deswegen nahm ich sehr schnell viel zu viel ab, sodass schon bald eine PEG-Sonde, also eine Magen-Darm-Sonde ins Gespräch kam, über die ich in Zukunft künstlich ernährt werden sollte. Das war an sich eine tolle Sache, ich musste mich nicht mehr darum kümmern, ob ich esse, was ich esse und worauf ich gerade eben Lust habe oder nicht, aber ich hatte überhaupt keine Lust auf noch einen Schlauch, der aus meinem Oberkörper rausbaumelte. Man war schon mit dem Zentralen Venenkatheter so eingeschränkt, konnte nicht richtig duschen, nicht wirklich gemütlich auf dem Bauch liegen oder normale Klamotten trage, ohne, dass man alles durchsah, aber als ich dann bei knappen 42 Kilogramm angelangt war, bei einer Größe von 172cm, hatte ich nicht mehr wirklich ein Mitsprachrecht… 😀 Mein Oberarzt plädierte sehr dafür, so natürlich auch meine Mutter, sodass eine OP schnell geplant war und ich diese tolle Sonde bekam.

Und … Überraschung,… es war natürlich auch erstmal die Falsche! Die Sonde, die ich nun hatte ging nur in den Magen, war also bescheuert, weil ich dann genauso ein Völlegefühl und damit verbunden Übelkeit bekam. Die Ärzte haben also mal wieder nicht ihr Köpfchen eingesetzt, ist ja auch nicht so schlimm, dann gibt´s eben eine Zweite! 😀

Also wurde ich noch einmal operiert und hatte nun eine Sonde, die sowohl in den Magen, als auch in den Darm ging, sodass ich mir alles darüber geben konnte, zum Teil auch Medikamente und ich nichts davon mitbekam.

Ich musste mich eine kurze Zeit daran gewöhnen, aber ich musste auch einsehen, dass es mir sehr gut tat. Sehr praktisch war auch, dass ich das alles selbstständig bedienen konnte. Ich hatte also auch alles für zu Hause, konnte mir nachts meine Nahrung als Infusion laufen lassen und konnte dadurch wieder ein bisschen zunehmen und vor allem auch wieder ein paar wichtige Nähstoffe zu mir nehmen, die mich ja ebenfalls kräftigten.

Nur, als wieder das Zelltief kam und alle meine Abwehrzellen im Blut komplett streikten, wurde es dann nicht so angenehm. Die Eintrittsstelle der Sonde entzündete sich, obwohl ich sie jeden Abend säuberte. Aber das konnte man wohl nicht vermeiden, meistens sind es ja sogar die körpereigenen Keime, die solche Dinge verursachen.

Trotz alledem wurde auch diese Sonde zu meinem treuen und täglichen Begleiter und ich bin im Endeffekt sehr froh darüber, wie weit die Medizin ist und welche Möglichkeiten man heutzutage hat.


 Teil 7 – Die geliebten Haare

07 PerueckeWorüber ich noch gar nicht geschrieben habe sind meine „Haare“.

Gerade bei uns Mädels ist das natürlich ein großes Thema. Die geliebten Haare, die plötzlich alle ausfallen, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Das war auch bei mir furchtbar. Man wusste zwar, dass der Moment kommen wird, dass man sich von seinen Haaren verabschieden muss, aber man hoffte natürlich trotzdem innerlich, dass es einfach nicht passieren würde oder wenigstens so lange wie möglich dauert, bis es mit dem Ausfall losgeht.

Bei mir ging es aber ziemlich schnell, damit hätte auch ich nicht gerechnet, aber schon nach dem ersten Therapieblock, als ich zur Sepsistherapie wieder stationär für eine Antibiotikatherapie aufgenommen werden musste, fingen mir plötzlich alle Haare an auszufallen.

Ich habe einen großen Schreck bekommen, weil ich vorher noch gar keine Anzeichen gespürt habe. Als ich mir aber abends die Harre kämmen wollte, bevor ich schlafen ging, hatte ich auf einmal lauter Haare in der Haarbürste und bei jedem Bürsten wurden es mehr.

Ich kann mich nicht mehr ganz genau an diesen Tag erinnern, von meiner Mutter weiß ich, dass ich wohl sehr stark geweint habe, was ihr schrecklich leid getan hat. Sie ist dann auf den Flur gegangen, weil sie selber total weinen musste und sie nicht wollte, dass ich das sehe.

Eine liebe Krankenschwester und heute auch Freundin von uns sah sie und tröstete sie und schlug uns vor, die Haare nun endgültig abzurasieren, nach dem Motto: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!“

Ich fand das damals eine gute Idee, ich fand mich grausam mit diesen einzelnen Haaren, die mir nur noch vom Kopf hingen. Dadurch sah man erst richtig krank aus, also fackelten wir nicht lange, die Schwester kramte die Schermaschine aus dem Schrank und ein paar Minuten später war der Schrecken endlich beendet.

Es war tierisch ungewohnt ohne Haare, ich fühlte mich echt nackt und es war natürlich in gewisser Weise ein Schock, denn so hatte ich mich noch nie gesehen. Aber danach war ich erleichtert, jetzt bin ich wenigstens eine richtige Krebspatientin, was ich so besser akzeptieren kann. Mama war sogar richtig „begeistert“ von meiner neuen Frisur. 😀 „Wow, wie Sinead O´Connor!“, sagte sie immer. Man versucht halt immer das positive zu sehen. 😀

Ich habe dann ziemlich schnell auch eine Perücke bekommen. Eine Frau, die einen Perückenladen betreibt, kam zu mir ins Krankenhaus, dadurch hatte sie nur ein paar verschiedene zur Auswahl dabei. Ich habe sie alle ausprobiert, so wirklich wohlgefühlt habe ich mich in keiner, es sah einfach tierisch ungewohnt aus, zusätzlich war es eine Kunsthaarperücke, was man wirklich gemerkt hat, es war nicht wirklich angenehm zu tragen. Ich versuchte mich aber damit zu arrangieren und dadurch, dass ich ja die meiste Zeit sowieso nicht so viel unter Menschen gehen konnte, musste ich sie auch nicht so viel tragen, zuhause bin ich eh immer ohne Haare rumgelaufen, das wäre mir viel zu nervig gewesen. 😀

Ich war aber trotzdem froh sie zu haben, denn mit der Perücke war es wenigstens nicht gleich für jeden Menschen auf der Straße so sichtbar, dass man krank ist, man hat sich nicht ganz so nackt und beobachtet gefühlt.


Teil 8 – Die große OP

Schon bald hatte ich meine ersten sechs Chemo-Blöcke hinter mich gebracht.

Es war ein bedeutender Schritt, denn danach folgte die große Operation, bei der mein kompletter Tumor aus der Beckenschaufel entfernt werden sollte.

Ich musste mich nach dem letzten Block natürlich erst wieder erholen, die Blutwerte mussten wieder normal sein, was mittlerweile seine Zeit brauchte, das Knochenmark hatte ja nun schon einiges abbekommen, wodurch es sich also nicht mehr ganz so schnell erholte.

Aber schließlich war es soweit und der große Tag rückte immer näher.

Vorher stellte ich mich natürlich bei dem Chirurgen vor, der das Wunderwerk vollbringen sollte. Er klärte uns über alles auf, das Vorgehen, die OP-Technik und natürlich die ganzen Risiken, die so eine Operation mit sich bringt. Es hörte sich fast schon an wie Kunst, was er uns da alles erklärte und ich wäre nicht im Leben auf solche Ideen gekommen. 😀 Aber es machte mir auch Angst, denn so eine aufwändige Operation, bei der einem die komplette Beckenschaufel entfernt und durch sein Wadenbein und ein paar Titanimplantate ersetzt werden würde, hatte für mich nur gruseliges an sich. Das war nämlich der Plan: meine gesamte linke Beckenschaufel sollte entfernt werden, denn dort saß ja nun schließlich mein Tumor. Nur mein Hüftgelenk konnte erhalten bleiben, so weit reichte der Tumor zum Glück nicht. Um diese fehlende Beckenschaufel auch nur ansatzweise zu ersetzen, sollte nun mein Wadenbein aus dem Unterschenkel entnommen werden und zusammen mit ein paar Titanstäben eine kleine Rekonstruktion darstellen. Denn auf dem Wadenbein liegt kaum Gewicht, man braucht es praktisch gar nicht und kann ohne Probleme zweckentfremdet werden.

Ich konnte mir natürlich vorher nicht im Geringsten vorstellen, was das alles bedeuten würde, wie ich später eingeschränkt sein würde und wie lange es brauchen würde, bis ich nach dieser großen Operation wieder halbwegs „fit“ sein würde.

So konnte ich es also nur auf mich zukommen lassen und musste versuchen, mir im Vorhinein so wenig Sorgen und Gedanken wie möglich zu machen. Das gelang mir auch ganz gut, nur meinen Eltern nicht, das wusste ich.

Nun war es bereits Dezember, als ich operiert wurde und mein kleines ungewolltes Anhängsel endlich entfernt wurde. Es war ein gutes Gefühl, dass es endlich wegkam. Erst kurz vorher, als ich dann realisierte, was nun auf mich zukommen würde, kam so richtig die Aufregung in mir hoch.

Eine Wahl hatte man ja nicht und ich wollte diesen Tumor auch unbedingt loswerden.

Also hieß es: Augen zu und durch! Wortwörtlich, denn schneller als ich gucken konnte, lag ich auf dem OP-Tisch, die Narkose wurde eingeleitet und meine Augen fielen zu und zwar für eine ganze Weile…

Denn die OP dauerte sehr lange, ich glaube es waren knapp sechs Stunden und auch danach ließen mich die Ärzte noch für zwei Nächte im künstlichen Koma auf der Intensivstation. Meine Mutter fand es damals sehr schlimm, sie hatte gehofft mich schon wieder wenigstens halb wach in Empfang zu nehmen, stattdessen durfte sie mich nur schlafend sehen.

Mein Kreislauf ist während des Eingriffs wohl sehr schlecht geworden, vermutlich habe ich auch einiges an Blut verloren, sodass ich nach der OP schlechte Vitalwerte hatte und erstmal im künstlichen Koma wieder zu Kräften und normalen Werten kommen sollte.

Als ich wieder wach wurde, wusste ich natürlich von nichts und dachte, die OP wäre gerade erst vorbei. 😀 So fühlte es sich auf jeden Fall an, denn ich hatte Schmerzen und konnte mich überhaupt nicht bewegen. Gefühlt tausende von Kabeln und Schläuchen waren an meinem Körper befestigt, unter Anderem ein Blasenkatheter, verschiedenste zusätzliche Zugänge in allen möglichen Blutgefäßen und Kabel um meine Parameter, wie Puls, Blutdruck usw. ständig unter Kontrolle zu haben.

Aber wenigstens konnte ich bald wieder hoch auf meine Station, wo ich alle kannte. Schwester Birgit holte mich ab, ich freute mich, als sie kam und ich endlich wieder verlegt wurde.

Oben angekommen, ging der Spaß erst richtig los…


Teil 9 – Weihnachten im Krankenhaus

Kurz nachdem ich wieder oben auf der Station war – ich war froh wenigstens wieder alle vertrauten Gesichter um mich zu haben – fing ich mir irgendeinen Keim ein, mit dem es mir zusätzlich noch schlechter ging, weil es mich sehr schwächte und nicht mehr von der Toilette runterließ, was schlecht war, denn es war für mich kaum möglich zur Toilette zu gehen, da ich mein Bein noch gar nicht belasten durfte und ich außerdem noch ziemlich starke Schmerzen hatte. Ich bekam natürlich schon eine ordentliche Ladung Schmerzmittel, aber wie meistens wirkten die auch nicht gerade so bei mir, wie sie sollten. 😀

Ich kämpfte also auch noch eine Weile damit, bis das endlich überstanden war und verbrachte nun also meine Vorweihnachtszeit im Krankenhaus. Als die großen Narben so einigermaßen angefangen hatten zu heilen, ging es auch schon mit dem nächsten Chemo-Block los. Ab jetzt sollte die Medikamentenzusammenstellung etwas anders sein, ich war gespannt, ob und wie sich die Nebenwirkungen veränderten….

Aber es war eigentlich so wie immer: Starke Übelkeit, überhaupt keinen Appetit und das „Chemo-Gefühl“, wie ich es mir schon dachte. Aber ich hielt durch und genoss, so weit das ging, die vorweihnachtliche Stimmung, die sogar trotz alledem ein bisschen in mir aufkam, denn Mama und ich hatten versucht, das Zimmer so gut es ging ein bisschen zu schmücken. Ich hatte meinen Adventskalender im Zimmer hängen und sie hatte auch eine Lichterkette aufgehängt und mir einen kleinen Kunst-Tannenbaum aufgetsellt, sodass wir es eigentlich einigermaßen gemütlich hatten. Außerdem hatte ich zu dieser Zeit zum Glück ein Einzelzimmer, was die ganze Sache auch noch einmal wesentlich erträglicher machte.

Es gab bald eine Weihnachtsfeier auf der Station, dann wurde dort ein bisschen gemeinsam gesungen und beisammengesessen. Außerdem kamen ein paar Spieler von der Basketball-Mannschaft ALBA zu Besuch und brachten allen Kindern ein Geschenk. Das war natürlich ein großes Highlight, auch wenn ich nicht viel davon mitbekommen habe, denn wenn ich mich richtig erinnern kann, konnte ich dort noch nicht aus meinem Bett.

Aber ich bekam regelmäßig Besuch von meiner Familie und auch von meinen Freunden und so verging die Zeit und bald stand schon Weihnachten vor der Tür.

Zu diesem Zeitpunkt war ich leider noch lange nicht so fit, dass ich nach Hause durfte und dort Weihnachten feiern konnten. Aaaaber, man braucht ja mal Veränderungen. Immer zu Hause feiern ist ja auch langweilig. 😀

Deswegen kamen zu Weihnachten mein Papa und meine Schwester zu uns ins Krankenhaus, dort hat mein Papa dann in der Elternküche Ente gekocht, die wir dann alle zusammen bei mir im Zimmer gegessen haben. Zu der Zeit hatte ich sogar mal ein kleines Bisschen Appetit, sodass ich auch ein paar Stückchen essen konnte. Was natürlich nicht fehlen durfte, war die Bescherung, die wurde selbstverständlich an diesem Abend auch in mein Krankenzimmer verlegt.

Und es war seltsam, denn wir feierten dieses Fest an einem Ort, an dem es glaube ich kein Mensch dieser Erde gerne feiern würde und trotzdem war ich an diesem Abend dankbarer als zu jedem Weihnachten zuvor: Ich war froh am Leben zu sein, ich war froh, dass meine Familie gesund bei mir war und wir so ein fantastisches Essen hatten und ich war einfach nur froh, dass ich diese große Op überstanden hatte, sich meine Übelkeit und meine Schmerzen heute in Grenzen hielten und war stolz, dass ich schon wieder einigermaßen stabil in meinem Bett sitzen konnte.

Außerdem konnten wir an diesem Abend trotz allem fröhlich sein und uns über diese eigentlich kleinen Dinge so sehr freuen, denn uns war nun schon lange bewusst geworden, was wirklich wichtig ist im Leben und das war eigentlich das größte Geschenk von allen.


Teil 10 – Silvester endlich zu Hause

Kurz vor Silvester wurde ich dann endlich entlassen. Ich freute mich so sehr, wie noch nie zuvor, einfach nur nach Hause zu kommen.

Die Zeit im Krankenhaus kam mir wie eine Ewigkeit vor und als ich Zuhause ankam, kam mir dort alles schon fast ein bisschen fremd vor. Jedoch war es das auf eine schöne Art und Weise. Ich hatte fast vergessen, wie schön es war, einfach nur zuhause zu sein, sein Bett, seinen Schrank und sein eigenes Bad zu haben.

Ich konnte mich noch nicht so viel bewegen, durfte das Bein auch immer noch nicht voll belasten, aber mittlerweile kam ich mit meinen Gehstützen ganz gut zurecht und so versuchte ich mich so gut es ging frei in unserer Wohnung zu bewegen. Ein Glück war die ebenerdig, sonst hätte ich schon Probleme bekommen. 😀

Der Silvesterabend war irgendwie sehr emotional für mich. Ich versuchte die Zeit, in der ich zuhause bei meiner Familie sein konnte, zu genießen. Das tat ich auch wirklich, aber man fühlte sich auch auf eine Art gehetzt, denn man wusste, bald würde es wieder ins Krankenhaus gehen und man muss die Zeit, die man jetzt hatte so viel genießen, wie es nur geht und manchmal dachte man, das tut man vielleicht nicht genug.

Aber wir waren alle den ganzen Abend zusammen, wir aßen gemeinsam-ich bemühte mich auch etwas herunterzukriegen-und als die Uhr 00:00 schlug, gingen mein Vater und meine Schwester raus in den Garten, auf den ich von meinem Bett aus durch mein Fensterzimmer direkt schauen konnte und veranstalteten ein kleines Feuerwerk für mich.

Ich weinte, als nun offiziell das nächste Jahr begonnen hatte, denn ich war auf der einen Seite froh und stolz, dass ich den schlimmsten Teil meiner Therapie geschafft hatte und dass ich nun hoffentlich in ein neues Jahr starten würde, in dem alles nur noch besser wird. Aber mir wurde in diesem Moment auch bewusst, was ich bis hierher alles durchgemacht und ausgehalten habe.

Aber ich war schon immer ein optimistischer Mensch, nahm mir für das neue Jahr vor, gesund zu werden und betete einfach nur, dass es so passieren wird.

In der Zeit nach Silvester hatte ich dann erstmal ein bisschen Ruhe, also was heißt Ruhe, ich bekam natürlich wieder Fieber, als ich ins Zelltief kam und musste somit zur Antibiotikatherapie ins Krankenhaus, aber die nächste Chemo ging erst Ende Januar wieder los.

Zwischendurch brach ich mir aber leider noch die eine Schraube, die bei der großen Tumorresektion als Teil der Beckenrekonstruktion im Dezember eingesetzt wurde. Es war aber im Endeffekt meine eigene Schuld. Ich habe nämlich einen großen Schwebetürenschrank geöffnet, um mir neue Klamotten zu nehmen, zu diesem Zeitpunkt bin ich jedoch noch an Gehstützen gelaufen. Auf einer Seite habe ich mich an der Gehstütze festgehalten und mit der anderen Hand habe ich versucht, die Schranktür zur Seite zu schieben, bin jedoch abgerutscht und hingefallen. Vernünftig war das nicht, das wusste ich selber, aber ich habe mir noch nie gerne helfen lassen und wollte immer alles alleine schaffen, wenn ich halbwegs dazu in der Lage war. Ich ruhte mich nämlich überhaupt nicht gerne auf meiner Krankheit aus. Hätte ich in diesem Fall vielleicht machen sollen… 😀

Ich merkte das erstmal gar nicht, denn sonderlich wehgetan hat es, wenn ich mich richtig erinnere, nicht. Das schöne Endergebnis, dass der Schraubenkopf, also komplett vom restlichen Schraubenteil abgebrochen war, sahen wir dann erst auf einem Kontroll-Röntgen…

Aber warum sollte bei mir eigentlich mal was komplikationslos laufen…? 😀


Teil 11 – der Chemo-Alltag und Wohnungssuche

Die anschließende Zeit war ziemlich unspektakulär. 😀 Ich bekam weiterhin meine Chemotherapie, aber da gab es wundersamer Weise gar nicht mehr so viele schreckliche Komplikationen. 🙂
Mir ging es natürlich weiterhin nicht gut während der Chemo, aber im Verhältnis zu dem, was ich bis zu der großen Operation erlebt hatte, war das echt okay.

Es verlief weiterhin in einem ähnlichen Schema: Eine knappe Woche Chemotherapie, die zusammengesetzt war aus verschiedenen Medikamenten und dann ca. 3 Wochen Pause. Zusätzlich bekam ich auch noch ein anderes Medikament namens Zometa IV, von dem sich die Ärzte viel erhofften. Ich bekam weiterhin jedes Mal Fieber. Obwohl, nein! Ein einziges Mal habe ich es ohne Fieber geschafft! 😀 Da war ich sehr froh!

Gegen Frühling ging meine Therapie dann langsam zu Ende. Eigentlich waren insgesamt 14 Chemo-Blöcke vorgesehen, den letzten ließen wir dann aber bei mir weg, weil mein Knochenmark schon zu stark geschädigt war und die Zellen sich nur noch sehr schwer erholten.

Wir wohnten zu der Zeit auf dem Uni-Gelände, wo mein Vater noch als Tierarzt arbeitete. Leider endete sein Vertrag zu dieser Zeit und der Chef wollte uns somit auch unbedingt so schnell, wie möglich aus dieser Wohnung raus haben. Meine Mutter war also die ganzen letzten Wochen während meiner Therapie dabei, nach einer neuen Wohnung zu suchen. Es war wirklich aufregend, weil wir ziemlich unter Zeitdruck standen. Mein Vater arbeitet dann parallel an seiner Selbstständigkeit, es gab also zusätzlich ganz schön viel Aufregung! Meine Mutter klemmte sich aber wirklich sehr hinter die Sache und hatte schon bald eine neue Wohnung organisiert, die nicht weit von unserer alten entfernt war- Respekt an Dich, Mama!

Es folgte also auch schon bald der Umzug, bei dem ich nicht wirklich helfen konnte, ich war zu dem Zeitpunkt wirklich gerade so mit der letzten Chemo fertig und noch sehr schwach.

Aber wir waren sehr froh, als der Stress mit dem alten Chef vorbei war und wir nun in unsere neue Wohnung einziehen konnten. Sie ist zwar nun im 2. Stock, aber ich bin da trotzdem ganz gut hochgekommen, das Treppensteigen war eine gute Übung für mich. 😉

Ich war nach der allerletzten Therapie dann erstmal einfach nur zuhause, freute mich, dass endlich alles überstanden war und war überzeugt, dass es nun dabei bleiben würde! Ich war stolz auf mich, alles geschafft zu haben und durch oder trotz alle dem, was ich alles an Medikamenten bekommen hatte, lebte.

Als Nächstes beantragten wir dann mit den Sozialarbeitern der Station eine Reha für die ganze Familie, denn wir alle waren durch diese Zeit ganz schön beansprucht und wollten uns in dieser Familien-Reha erholen und ein bisschen zu Kräften kommen.

Es dauerte nicht lange, bis der Antrag bewilligt war und dann ging es auch schon bald los nach Bad Oeynhausen….


Teil 12 – Die Reha in Bad Oexen

Ich freute mich sehr, als es losging zu Reha. Endlich ein bisschen erholen, endlich alles hinter sich lassen, endlich wieder zu Kräften kommen und den Körper regenerieren lassen.

Die Klinik lag in der Stadt Bad Oeynhausen, im Ort Bad Oexen in Nordrhein-Westfahlen. Die Einrichtung ist spezialisiert für onkologische Rehabilitation.

Am ersten Tag lernten wir erstmal alles kennen, schauten uns die Anlage an, die wirklich sehr schön war, mit vielen Fachwerkhäusern. Man hat sich nicht gefühlt wie in einer Klinik.

Wir hatten Gespräche mit Ärzten, die versuchten herauszufinden, was jeder Einzelne von uns am Meisten brauchte, denn schließlich bekam jeder einen individuellen Plan mit verschiedenen Therapien. Es war wie eine Art Stundenplan, der Tag war durchorganisiert mit Therapien zu bestimmten Zeiten.

Wir wurden wirklich intensiv betreut, ich hatte auf Grund meines schiefen Rückens durch die große Becken-OP im Dezember zum Beispiel sehr viel Physiotherapie, unter anderem auch im Wasser. Ich hatte feste Therapeuten, die täglich mit mir arbeiteten, so auch meine Schwester, meine Mutter und mein Vater. Bei ihnen wurde mehr Wert auf die psychologische Betreuung gelegt, aber auch sie hatten verschiedene Angebote, um ihre Körper wieder zu Kräften kommen zu lassen.

Dadurch bekamen wir natürlich auch Kontakt zu den anderen Familien und Kindern, es gab nämlich auch einige Gruppentherapien und Nachmittags hatte man „Freizeit“ und wir hatten viel die Möglichkeit, uns mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Dadurch, dass alle relativ zeitgleich mit der Reha starteten, wurden wir schnell zu einer Gruppe, die sich wirklich gut verstand und viel zusammen machte. Es war sehr schön, denn es wurde nicht nur etwas für den Körper getan, sondern auch für die Seele. Ich war viel mit Gleichaltrigen zusammen und wir alle wollten einfach nur unbeschwert diese Zeit genießen und haben somit gemeinsam diese vier Wochen verbracht und viel Spaß gehabt. Es gab ein Jugendhaus, in dem wir uns oft trafen. Dort konnten wir alles Mögliche machen, unter anderem auch zusammen kochen oder einfach nur Spiele spielen oder quatschen.

Ich konnte dort endlich mal wieder ein bisschen aufatmen, die ganzen Sorgen hinter mir lassen und bekam das Gefühl, dass es mir nun immer besser geht. Ich arbeitete intensiv mit meinem Physiotherapeuten, was zwar manchmal ganz schön anstrengend war, aber trotzdem auch viel Spaß gemacht hat, vor allem wenn man kleine Erfolge beobachten konnte.

Außerdem tat das schöne Wetter das Übrige. Es war ja nun inzwischen Sommer und ein Jahr her, dass ich meine Diagnose bekam, eigentlich eine ganz schön lange Zeit und trotzdem kam einem zu diesem Zeitpunkt alles so vor, als wäre das alles gerade erst passiert. Manchmal dachte ich an das ganze Jahr zurück. Es machte mir erst rückblickend so richtig Angst, als ich realisierte, was ich alles hab durchmachen müssen. In der Zeit, in der das alles passiert ist, hatte ich gar nicht so wirklich Zeit dazu, mir darüber Gedanken zu machen, wie schrecklich das alles ist, man war nur damit beschäftigt durchzuhalten, man dachte nur daran, wieviel Tage man noch bis zur nächsten Chemo hatte oder musste versuchen irgendwie sein Gewicht zu halten. Aber jetzt, wo offiziell alles vorbei war, wurde mir das erst bewusst. Aber umso glücklicher war ich, als ich dann wusste, dass ich nun hier in der Reha war, alles vorbei war und jetzt hoffentlich alles gut werden würde.


Teil 13 – Zurück ins Leben

Die Zeit in der Reha verging viel zu schnell. Es war komisch, denn auf der einen Seite hatte man das Gefühl, man wäre gerade erst angekommen und andererseits waren wir alle schon wie eine Familie geworden, von der man sich gar nicht mehr trennen wollte. Das war wahrscheinlich auch logisch. Endlich waren alle einmal unter sich, jeder hat den anderen verstanden, ohne große Erklärungen und keiner bekam von irgendwem gestelltes Mitleid. Man musste einfach nichts verstecken, vor allem nicht seine Schwächen und die Dinge, die man durch die Krankheit gar nicht an sich leiden konnte, so wie ich zum Beispiel meine Glatze.

Mir ging es nach den vier Wochen in Bad Oexen viel besser. Ich hatte so viel mit meinem Physiotherapeuten gearbeitet, im Trainingsraum und im Wasser, ich konnte endlich mal wieder mit anderen Gleichaltrigen zusammen sein und dort unbeschwert meinen Tag leben und genießen und das schöne Wetter erleben. Es war richtig traurig, als die vier Wochen zu Ende gingen, sich alle verabschiedeten und nun jeder wieder seiner Wege ging. Aber trotzdem war es irgendwie auch schön, man hatte das Letzte, was mit dieser Krankheit verbunden war, zu Ende gebracht und jetzt ging es einem, im Verhältnis zu den letzten Monaten gesehen, wieder richtig gut.

Nachdem wir Bad Oexen also verlassen hatten, ging es noch weiter in den „richtigen“ Urlaub. Es waren ja eh noch offiziell Sommerferien und deswegen fuhren wir noch nach Italien in die Toskana und schauten uns viele verschiedene Orte an, unter anderem Florenz und Pisa. Es waren so viele tolle Erlebnisse, so unglaubliche Landschaften die ich zu sehen bekommen habe, ich war so dankbar für diesen Urlaub.

Aber auch die Zeit ging leider vorbei und als ich zum Ende der Sommerferien wieder nach Hause kam, war es ganz ungewohnt, sich nun wieder auf die Schule vorzubereiten. Aber ich freute mich tierisch! Dadurch, dass ich in den Kliniklehrern immer meinen Unterricht gemacht habe und mich teilweise per Video-Chat mit meiner Klasse verbunden habe, hatte ich zum Schuljahresende auch ein Zeugnis bekommen und konnte somit mit meinem alten Jahrgang in die nächste Klasse gehen. Ich konnte es kaum erwarten endlich alle wiederzusehen. Ich hatte die meisten das ganze Jahr über nicht gesehen, meistens nur meine beste Freundin, ich durfte ja auch immer nicht so viele Menschen sehen. Aber ich war unglaublich aufgeregt, als ich am ersten Tag der 9. Klasse wieder zur Schule gehen durfte!


Teil 14 – ein ganz normales Leben

Und so kam der Tag, an dem die Schule wieder losging. Ich hatte gemischte Gefühle, denn ich freute mich einerseits natürlich tierisch auf all meine Freunde und darauf, endlich wieder normal wie alle anderen zu leben. Andererseits hatte ich aber natürlich auch Angst. Ich war nun ein Jahr aus diesem „normalen“ Leben raus und zusätzlich natürlich noch geschwächt, dadurch war die Angst groß, den normalen Alltag mit der Schule, dem Lernen, dem frühen Aufstehen nicht so einfach zu schaffen.

Die Vorfreude auf meine Freunde war aber deutlich größer und so war ich unglaublich glücklich, als ich am ersten Schultag auch endlich wieder zur Schule gehen konnte.

Es war wirklich komisch, aber es war toll wieder da zu sein. Und es war schön, von allen so toll empfangen zu werden.

 

Es war dann natürlich erstmal noch sehr anstrengend für mich, in die Schule zu gehen. Ein Tag mit 7-8 Stunden war nicht leicht, auch das Sitzen fiel mir schwer, da ich schnell Rückenschmerzen bekam, denn durch die große Becken-OP waren die Muskeln ja nun alle am Rücken vernäht, da die Beckenschaufel nun weg war und das war nicht angenehm. Aber trotzdem lebte ich mich schnell wieder ein und genoss es zur Schule zu gehen.

Ich machte also meine neunte Klasse und fing anschließend mit der Zehnten an. Das war die Zeit des Mittleren Schulabschlusses (MSA), in der es mir mittlerweile wieder ziemlich gut ging. Ich schloss mich mit einer guten Freundin zusammen, um gemeinsam den einen Teil des MSA, eine Präsentationsprüfung, vorzubereiten. Ich denke immer wieder so gerne an diese Zeit zurück, weil ich einfach so viel Spaß hatte! Wir haben uns so oft getroffen, um gemeinsam zu arbeiten, haben beieinander übernachtet, haben teilweise sogar im Bus unseren Laptop aufgeklappt und weitergearbeitet, weil wir uns wirklich in die Sache reingehängt haben.

In dieser Zeit habe ich auch angefangen in dem Verein meiner Freundin Tennis zu spielen. Sie brachte mich dazu und ich musste sowieso mal irgendeinen Sport anfangen, deswegen entschloss ich mich dazu. Ich musste natürlich ganz langsam anfangen, vor allem weil ich ja nicht mal laufen kann, ohne zu humpeln. Ich will auch nicht wissen, wie ich dabei aussah, aber es hat mir Spaß gemacht und einigermaßen funktioniert und das war das Wichtigste! 😀

 

Im Sommer 2015, zum Ende des Schuljahres, als der MSA so gut wie geschafft war, lernte ich dann meinen Freund kennen, mit dem ich bis heute zusammen bin und rückblickend kann ich einfach nur dankbar sein, dass ich damit angefangen habe, Tennis zu spielen, denn darüber habe ich ihn im Endeffekt kennengelernt.

Er ist nämlich leidenschaftlicher Tennisspieler und ein Freund eines Trainers, der zu diesem Zeitpunkt in meinem Verein war.

Und als meine Freundin und ich einen Tag nicht wirklich wussten, was wir machen sollten, verabredeten wir uns mit ihm und da brachte er „Jonah“ mit.

Dort sahen wir uns also das erste Mal, trafen uns anschließend wieder und wieder, bis wir schlussendlich ein Paar wurden. Ich war glücklich zu dieser Zeit, was ich mir, denke ich, auch wirklich verdient hatte.

Endlich war alles gut und ich lebte einfach nur unbeschwert mein Leben, denn auch meine regelmäßigen Kontrollen im Krankenhaus waren unauffällig und gaben keinen Hinweis, der uns Sorgen bereiten sollte. Nur diese Schmerzen, die ich schon wieder im Becken hatte, die waren komisch…

 

15 Comments

  • Conny Jost 21. März 2018 at 13:38

    Liebe Kathi,

    ich habe gerade deinen Blog entdeckt und freue mich gerade so sehr darüber, dass du ihn schreibst, dass du deine Erfahrungen hier mit anderen, dir fremden Menschen teilst. Es beeindruckt mich sehr zu lesen, was du schreibst und wie du schreibst. Und ich bin sehr neugierig auf die weiteren Teile deiner Geschichte. Nach meiner Erfahrung (und du deutest es ja auch schon an), können Betroffene anderen Betroffenen auf einzigartige Weise helfen: sie haben das, was neu Erkrankten noch bevorsteht, schon selbst erlebt, und zwar am eigenen Leib und mit der eigenen Seele. Von ihnen und ihrem Weg zu erfahren ist oftmals viel viel hilfreicher als der bestgemeinte Rat vom medizinischen Personal. Ich bin viele Jahre älter als du (47 um genau zu sein) und habe selbst „nur“ Brustkrebs gehabt. Aber ich kenne die Angst, ich kenne die Chemotherapie und das, was sie mit uns macht und ich kenne das Vorwärtsgehen in ganz kleinen Schritten. Ähnlich wie du nutze ich meine Erfahrungen, um anderen Erkrankten und ihren Lieben beizustehen in einer der schwersten Zeiten, die so ein Menschenleben für uns bereit hält. Deshalb wollte ich dir schreiben und dich ermuntern, weiter auf diesem Weg voran zu gehen und diese wertvolle Hilfe zu geben.

    Du schreibst schon so richtig, wie wichtig die vielen kleinen Momente sind, wenn wir sie wirklich wahrnehmen und nutzen. Leider versteht man davon erst dann genug, wenn es einen selbst irgendwie getroffen hat. Aber, lass uns diese Chance nutzen und unser Leben ganz reich machen, reich an guten Momenten und wichtigen Begegnungen, und somit ganz viel Fülle anhäufen. Denn ich glaube, die Fülle ist es, um die es uns gehen sollte im Leben, nicht um unbegrenzte Zeit, unbgerenzte Mittel und unbegrenzten Spaß.

    Kathi, ich werde dich hier noch ein bisschen begleiten, wenn ich darf. Ich wünsche dir, dass dein letztes Rezidiv dein letztes Rezidiv bleibt und du jetzt in dein ganz eigenes Leben starten kannst, mit Lust und Neugier und mit allem, was du vom Leben schon erfahren hast.

    Alles Liebe,
    Conny

    Antworten

    • Anonymous 13. April 2018 at 16:03

      Liebe Conny,
      Ich wollte Dir eigentlich schon lange antworten, denn ich habe mich sehr über Deinen lieben Kommentar gefreut, aber ich habe es einfach noch nicht geschafft, das ist aber auf gar keinen Fall böse gemeint!
      Ganz im Gegenteil, Deinem Text ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen, man merkt, dass auch Du schon vieles von dem erlebt hast, was auch ich durchmachen musste und Du hast meiner Meinung nach genau die richtige Einstellung zum Leben!
      Und ich hoffe sehr, dass es Dir mittlerweile wieder richtig gut geht und Du nie mehr mit solch einer Krankheit konfrontiert wirst.
      Aber es ist toll, wenn auch Du anderen Menschen Mut machst, ich denke das ist das einzig sinnvolle, was man mit diesen Krankheiten anstellen kann! Und es ist super, wenn man überhaupt die Kraft dazu hat. Das hat nicht jeder und deswegen ist es umso schöner, wenn es doch Menschen gibt, die es tun oder zumindest versuchen. Ich werde es immer weiter tun, einfach damit diese Krankheit einen Sinn hat und ich freue mich über jeden, dem ich damit auch nur ein ganz kleines Bisschen helfen kann.
      Ich grüße und drücke Dich unbekannterweise ganz lieb und wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim Lesen!

      Alles Liebe,

      Kathi 🙂

      Antworten

  • marion bauer 19. Juli 2018 at 16:35

    Liebe Kathi, mir tust du sehr leid. Ich hatte einen Tumor im Darm und man wollte mir etliche Chemo geben. Dies habe ich aber abgelehnt, weil ich dieser Pharmazeutischen Industrie nicht vertrauen kann. Ein aufklärender Arzt warnt davor, Chemo tötet sogar. Es gibt noch einen Professor in den USA, Linus Pauling, der mit hohen Konzentrationen von Vitamin C-1800mg täglich, 33 Jahre länger gelebt hat. Diese kommen aus Holland und bei mir wurde kein Tumormarker festgestellt! Seither nehme ich dazu mehr Ballaststoffe zu mir, sowie mehr Bio-Produkte aus kontrollierten Anbau. Mind. 30 Gramm täglich, dazu mehr Tees, grüner Tee hat gute Stoffe in sich! Pizzen und allzu süsse Produkte, wie Gummibärchen vermeide ich. Keine Chips, wenig Alkohol.
    So, dies sind meine Empfehlungen, vielleicht schaust du noch in meine Webseite

    Bis dahin, alles Gute wünscht dir,
    Marion Bauer

    Antworten

    • Kathi 25. Juli 2018 at 10:51

      Hallo Marion, vielen Dank für Deine Nachricht und Deine Anregungen!
      Ich bin auch immer auf der Suche nach zusätzlichen Dingen, die mich bei meiner Therapie unterstützen und habe natürlich mittlerweile auch sehr viel gelesen, was die Ernährung usw. betrifft. Zucker versuche ich auch so gut es geht zu vermeiden und mich so gesund wie möglich zu ernähren!
      Vielen Dank auf jeden Fall! Ich hoffe, Dir geht es mittlerweile gut!
      Alles Liebe,
      Kathi

      Antworten

  • Thorsten Quase 19. Juli 2018 at 22:11

    Hallo Kathi,
    ich bin zufällig auf diesen Blog getroffen, da mein Bruder einen Prostatakrebs diagnostziert bekommen (allerdings mit 63) hat und mit Metastasen im Beckenknochenbereich. Ich oder wir als Angehörige nicht wirklich wissen ,wie man auf den Patienten am Besten zu gehen kann.
    Ich habe jetzt Deine Zeilen lesen dürfen und finde es gut ,welchen Weg Du in Deinem Alter schon gegangen bist. Mit Sicherheit nicht ganz freiwillig ,dennoch konsequent und geradeaus.
    Es spielt im Grunde auch keine Rolle in welchem Alter die Diagnose ansteht, wichtig ist eigentlich der posiive Umgang die Situation zu durchlebe, Du hattest ja gar keine andere Möglichkeit.In unserem Leben ist der momentane Augenblick sowieso immer der Wichtigste und diesen Augenblick darf man trotz der Diagnose positiv gestalten mit einem Lächeln im Gesicht. Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe das Du viele Menschen mit Deiner Kraft erreichen kannst.
    Lg Thorsten

    Antworten

    • Kathi 25. Juli 2018 at 10:57

      Lieber Thorsten,
      das tut mir sehr leid für Deinen Bruder und natürlich auch für Dich und Deine Familie. Solch eine Krankheit beansprucht ja leider meistens alle ziemlich stark. Aber ich wünsche Euch alle Kraft und Stärke, die es gibt, um das durchzustehen!
      Wenn ihr Rat braucht, vielleicht ein paar Tips oder auch nur helfende Worte, wie man den Alltag meistern kann, dann bin ich gerne da und versuche Euch zu helfen! Aber Deine letzten Zeilen lassen mich schon ein bisschen vermuten, dass ihr das genau richtig angeht und ich wünsche Euch nur das Beste!
      Viele Grüße und alles Liebe,
      Kathi

      Antworten

  • Sven 22. Juli 2018 at 21:45

    Hallo liebe Kathi ,

    Ich habe in der Bild-Zeitung einen Artikel über dich und deine schlimmen, unfassbaren Lebenserfahrungen gelesen und habe daraufhin nach deinem Blog gesucht, weil ich wissen wollte, wie es dir mittlerweile geht.
    Mich hat dein Blog sehr berührt. Ich musste mir die ein oder andere Träne verkneifen (also, mir ist da wohl eine Fliege ins Auge geflogen oder ähnliches ) .

    Ich finde es krass, was du da für Kräfte entwickelt hast, in dieser schweren Zeit und dass du dem Krebs da so in den A…. getreten hast. Du bist ein echtes Vorbild für Menschen in ähnlichen oder gleichen Situationen und das in dem Alter, in dem du dich befandest.
    Aber du bist auch ein Vorbild für jeden Menschen, mit deiner Ansicht, auch in solch tragischen und aussichtslosen Momenten das Gute zu sehen. Z.B. als du Weihnachten mit deiner Familie im Krankenhaus verbrachtest und glücklich darüber warst, deine Geliebten um dich zu haben.

    Ich bin schon sehr vielen Menschen begegnet, die solche Momente nicht schätzen und nicht erkennen und die im Leben etwas verpassen. Darum haben diese schlimmen Lebenserfahrungen auch immer etwas positives. Denn man weiß die wichtigen Dinge mehr zu schätzen. So empfand ich es zumindest nach meiner etwas blöderen Zeit (Unfall) in meinem Leben.

    Ich bete, dass du mittlerweile ein tolles und gesundes Leben führen darfst und dass du nun wieder die „großen“ tollen Momente im Leben genießen darfst.

    Liebe Grüße

    Antworten

    • Kathi 25. Juli 2018 at 11:59

      Lieber Sven,
      vielen Dank für Deine Nachricht und die lieben Worte! 🙂
      Es ist schön, dass ich anscheinend genau das mit dem Blog erreiche, was ich vorhatte. Du spiegelst meine Gedanken nämlich sehr gut wieder und ich finde es ist nunmal das Wichtigste immer den Mut zu behalten und vor allem auch das Ziel, das man hat. Dass man sich immer sagt, warum man gesund werden will und das mit aller Kraft versucht und dabei den Humor nie verliert und sich trotzdem immer die Schönen Dinge vor Augen halten kann.
      Somit geht es einem auch zwischenzeitlich einfach besser, wenn man die Gabe hat, sich trotzdem immer das Gute vor Augen zu halten, ansonsten kann man ganz schnell in seiner Trauer und seinen Ängsten versinken.
      Ich bin zwar leider immer noch nicht ganz fertig mit meiner Therapie, da ich inzwischen 2 Rezidive meiner Krankheit hatte und eigentlich seit 7 Jahren nun in Behandlung bin, jetzt läuft aber die letzte Therapie und ich hoffe, danach endlich gesund leben zu dürfen und wie Du sagst die „großen“ tollen Momente in meinem Leben erfahren darf.
      Ich wünsche Dir auch alles Gute und hoffe, dass Du Deinen Unfall wieder einigermaßen verkraftet hast und selbst wieder ein schönes und halbwegs sorgenfreies Leben führen kannst!
      Alles Liebe und Gute,
      Kathi

      Antworten

  • Tobias Panda 4. August 2018 at 8:48

    Hey Kathi,
    Ich bin Tobi, aber alle nennen mich Panda. Ich stehe unheimlich doll auf die wuscheligen, flauschigen und schönen Tiere. Ich habe grade Nachtdienst, bzw. ist dieser gleich zu Ende. Um mir die langeweile zu vertreiben bin ich ein wenig durch das Netz gesurft und so auf deinen Blog gestoßen. Deine Geschichte hat mich gefesselt und mir Tränen in die Augen steigen lassen. Und trotz dieser traurigen Geschichte, spürte ich wie viel Kraft in dir steckt. Du bist echt PandaBären stark !!! Ich möchte dir auf diesem Wege etwas mit auf den Weg geben, verliere bitte niemals deinen Optimismus !!! Du bist echt ein super starker Mensch. Ich wünsche dir für die Zukunft von Herzen alles erdenklich gute !!! Ich wünsche dir an sonnigen Tagen eine Sonnenbrille, wenn es mal regnet einen Regenschirm und wenn der Weg mal steinig und schwiereig wird, einen leichten Rückenwind der dir helfen soll das diese Wegpassage schnell überwunden ist. Ich wünsche dir das du nie alleine bist, es sei denn du möchtest das. Ich wünsche dir das immer jemand da ist der dir sein Ohr leiht und wenn es von Nöten ist dir ein Taschentuch reicht. Ich hoffe und wünsche dir aber auch das du dem Krebs ein für alle mal den gar ausgemacht hast und in deinem jungen Leben nicht wieder so ein Leid durch machen musst.

    Ps. wusstest du das Pandabären eine art Daumen haben mit dem sie dinge greifen können ?

    … mit dieser Nachricht schicke ich dir ganz viel Kraft, ein lächeln und gute Laune !!
    liebste Grüße Tobias Panda

    Antworten

    • Kathi 10. August 2018 at 13:41

      Lieber Tobi,

      ich danke Dir ganz herzlich für Deine lieben Worte! Es ist immer sehr schön, solche Rückmeldungen zu bekommen, das bestätigt mir das, was ich tue! 🙂
      Den Optimismus verliere ich ganz sicher nicht und schon gar nicht meinen Krampfgeist, denn dem Krebs überlasse ich nicht so einfach den Sieg! 😉 Ich hoffe auch sehr, dass es nun ein für alle mal vorbei ist, aber da muss ich mich leider überraschen lassen und Tag für Tag hoffen.
      Und ich hoffe vor allem, den Menschen, wie auch Dir, mit meinen Zeilen Mut zu machen, auch wenn man vielleicht nicht direkt mit so einer Krankheit konfrontiert ist.
      Ich schicke Dir ganz, ganz viele liebe Grüße zurück und wünsche Dir viel Kraft für Deinen nächsten Nachtdienst! 🙂
      Kathi

      Antworten

  • Andrea Richter 15. August 2018 at 23:18

    Liebe Katja.
    Ich habe heute auf der Suche nach yRat und Hilfe deinen Blog entdeckt und gelesen.
    Was für ein starkes Mãdel du doch bist.
    Es gibt mir ein bisschen Hoffnung.
    Meine geliebte kleine Enkeltochter bekam gestern diese Diagnose und es hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen.
    Sie hat den Tumor am Unterschenkel. Die Kleine Maus ist erst 4 Jahre und versteht den ganzen Wirbel um sie noch nicht richtig.
    Wir führen uns so machtlos und klein.

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    • Kathi 24. August 2018 at 19:53

      Liebe Andrea,

      es tut mir unglaublich leid, dass ihr auch von diesem Schicksal betroffen seid, das wünscht man keinem. Aber was ich Euch als Familie und vor allem der Kleinen wünschen kann, ist ganz viel Kraft und Mut und ganz viele liebe Leute, die Euch bei Eurem Weg unterstützen!! Am Anfang ist diese Machtlosigkeit schrecklich, ich weiß. Das kommt auch zwischendurch natürlich immer mal durch, aber ihr müsst versuchen trotzdem immer positiv zu denken, das bringt so viel!!! Und mit einer positiven Einstellung habt Ihr schon viel mehr Macht, als man vielleicht am Anfang glaubt! Verliert nicht das Lachen und die Freude am Leben, das ist nämlich genau das, was der Krebs will, dass man aufgibt.
      Ich schicke Euch so viel Kraft, wie es nur gibt, damit ihr diesen Kampf so gut es geht durchsteht!
      Alles, alles Liebe für Euch und die kleine Maus!
      Eure Kathi

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  • Doreen 11. September 2018 at 19:32

    Hallo Kathi.
    Ich habe heute Dein Interview mit ZIBB gesehen.
    Bin auch erstmal Deinen Blog überflogen.
    Ich wünsche Dir noch viel Kraft und hoffe, dass Du Deinen Weg gehen kannst.
    Dein Blogtagebuch werde ich noch lesen.
    Liebe Grüße

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  • Antje Stechert 12. September 2018 at 11:13

    Hallo Kathi… Ich hab Angst, deine Geschichte komplett zu lesen. Denn mein Sohn war auch 11, als er die Diagnose Osteosarkom im rechten Oberschenkel bekam. 2 Jahre liegen jetzt hinter uns… Aber es geht ihm zur Zeit gut und auch die schule macht wieder Spaß.
    Ich wünsche dir für die Zukunft von ganzem Herzen alles erdenklich Gute.

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  • Sylke Drescher 17. September 2018 at 21:49

    Hallo Kathi, mein Sohn Richard und ich haben dich und deine Mama oft in der Tagesklinik gesehen. Richard hatte Leukämie und ein halbes Jahr gekämpft wie ein Löwe, leider hat er den Kampf gegen diesen scheiss Krebs letztes Weihnachten verloren. Wir sind alle untröstlich und können es immer noch nicht begreifen, dass wir ihn nie wieder sehen werden.
    Du bist so tapfer und ich hoffe, dass du endlich zu 100% in Remission bist und auch bleibst. Ich finde es toll, dass du deine Gedanken und Gefühle in einem Block schreibst. Du machst damit vielen anderen Mut und gibst ihnen Zuversicht. Ich habe Richard und mich in vielen Situationen wiedererkannt, auch ich war die ganze Zeit über immer bei meinem Engel.
    Ich wünsche dir nur das Allerbeste und bleib weiterhin so tapfer. Sei du und deine Familie lieb gegrüßt ❤️

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